Auf dieser Seite sind unsere Recherchen zusammegefasst, einfach durchscrollen!

Recherche 1:

Standortbestimmung 

Frühjahr 2024


... Der trommelnde Regen hat verschiedenste Menschen im Trockenen zusammengetrommelt:

Mitarbeitende und Patient*innen der Forensik, der Akutpsychiatrie, der Kinder- und Jugendpsychiatrie und des Fachpflegeheims, neugierige ehemalige Patient*innen und zufällig auftauchende ehemalige Mitarbeiter*innen, Angehörige von Patient*innen (Oma, Mama, Geschwister, Neffen) und spazierende Anwohner*innen ...


... Das Zeltdach gab Schutz vor dem ununterbrochenen Regen und Raum für das ununterbrochene Gespräch ...



... Die wichtigsten Fragen waren:

Welche Frage stellt sich hier?

Was haben wir hinter uns, was haben wir vor uns?

Was ist Hilfe?

Was kann Kunst?

Was können wir?

Was muss sich ändern (außer alles)?

Recherche 2:

Stimmen am Standort

Sommer 2024

 Fünf Tage STIMMEN HÖREN und NOTIZ VONEINANDER NEHMEN. 

Fünf Tage STIMMEN HÖREN und NOTIZ VONEINANDER NEHMEN.


Viele Wege haben sich im Zelt gekreuzt,

viele Gespräche haben den Standort be-stimmt. 

Viel Regen, aber brennende Fragen und Themen haben für Wärme gesorgt.

Vielstimmigkeit

und ein großes Bedürfnis, die Stimme zu erheben — mit Mut, mit Wut, mit Frust, mit Lust. 


Zu hören waren mit den Klang-Ohren:

Regen und Wind

und kaum artikuliertes untergründiges Grummeln 

und verborgenes Flüstern und Tuscheln 

und alle Stimmungen eines gesuchten Gesprächs 

und MUSIK! bei unserer spontanen Abschlussparty (Danke an DJ …!)


Zu hören waren mit den Wort-Ohren:

Fragen nach der menschlichen Stimme.

Spricht die Stimme für sich?

Wer hört (welche) Stimmen?

Wer (wird) bestimmt?

Ist die Stimme Rede oder Geräusch?

Ist die Stimme vertretbar, kann ich sie abgeben?


Auch konkrete Vorschläge zur Art und Ausgestaltung des Vorhabens gesammelt, bei welchen sich ein klarer Wunsch nach künstlerisch gestalteten Begegnungs-Räumen abzeichnet. 


Auf direktem Weg hören wir sehr viel positive Resonanz. Indirekt hören wir auch von viel Kritik, für die wir offen sind. 

Es geht um Vielstimmigkeit, um die Suche nach Möglichkeiten von Zusammenklang der unterschiedlichen Stimmen. 

Wir wollen die Ohren offenhalten und sind jederzeit bereit, was zu ändern.

Recherche 3:

Dialogannahme

Herbst 2024

Notiz von einander nehmen

In Gesprächen mit über hundert Menschen auf dem
Klinikgelände haben wir verschiedenste Stimmen gehört
und das Gesprochene auf unseren Postkarten notiert.
Im nächsten Schritt wollen wir die Postboten sein:
die Gedanken und Ideen aus diesen Gesprächen weitertragen
und Antworten darauf sammeln.
Das entstehende Netz aus Fragen und Antworten, Ideen
und Wünschen wird die Grundlage für alles Weitere.


Recherche 4:
Bilder sehen

Frühjahr 2025

INS AUGE GEFASST
Von dem Vorhaben der vollständigen Sichtung
eines dreißigjährigen Bildarchivs im Maßregelvollzug 

WER_SCHÄTZUNG
Von der Anwendung der Menschenwürde
im Bilder malen und Bilder sehen

PERIMETRIE
Von der Vermessung des Gesichtsfelds
der Insassen des Maßregelvollzugs   

NETZHAUT
Vom Sehen und Gesehenwerden 
als Praxis der Vernetzung und Integration

unterHALTUNG
Vom Gespräch unter Augenhöhe
als therapeutischer Perspektive

AUFLÖSUNG
Vom Gewinn an Tiefenschärfe durch Entschärfen der Oberfläche
oder 
Vom Erscheinen von Wahrheit durch Verneinen von Klarheit

PERSPEKTIVE
von Ausgangs-, Stand-, und Fluchtpunkten



Recherche 5:

ÄNDERUNGS

schneiderei 

Sommer 2025

Zwei Mal sieben Tage war unsere mobile Änderungsschneiderei im August und Oktober auf dem Klinikgelände unterwegs — offen für alle, deren Wege sich dort kreuzen:

Patient*innen und Mitarbeitende der verschiedenen Klinikbereiche, Angehörige, Anwohner*innen, zufällig Vorbeispazierte.


Das Schneider-Handwerk können wir nicht,

aber die Schneider-Fragen konnten stellen:


Was passt dir nicht?

Was ist zu groß? Was zu klein?


Die Antworten auf diese Fragen sind Änderungsaufträge.

Die haben wir auf alten Stoff gestickt: Gesprächs-Fetzen.

Mehr als zweihundert davon haben wir gesammelt und in den Wind gehängt — ein Gewebe aus Stimmen.

ANMERKUNG ZUM UMGEKEHRTEN PRINZIP DER REPARATUR (U.P.d.R.)
Es heißt: Wenn der Schneider nicht nähen kann, nimmt der Lump den Faden auf.
Es heißt: Wenn der Lump die Fäden zieht, könnt´ ja jeder kommen.
Ja! Nur herein - wenn´s kein Schneider ist!

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Und das war unser Lied:


Dein Blick fliegt über den Zaun,

es sitzt ein Vogel darauf

und er singt: Ruckedigu!

Ein Vogel braucht keine Schuh!


Wo drückt der Schuh? Was darf’s sein?

Was ist zu groß? Was zu klein?

Sie dreht am Rad, kommt vorbei:

Die Änderungsschneiderei!

 

Aus allen Nähten platzt das Futter und wen macht es satt?

Wer ist es, der den roten Faden verloren hat? 

Im Licht des Fadenscheines nähen wir neu, 

wir nähen alles hier neu, 

suchen die Nadel im Heu!


Dein Fuß ist nicht zu groß, es sind nur die Schuhe zu klein.

In den Gesprächsstoff sticken wir deine Schuhgröße ein.

Im Licht des Fadenscheines nähen wir neu!

Sie dreht am Rad, kommt vorbei:

Die Änderungsschneiderei!


Und wer zwei Flügel hat, der braucht keine Schuh’, um zu geh’n!

Und wer nen Vogel hat, lernt Singen im Nu, wirst du seh’n!

Im Licht des Fadenscheines nähen wir neu!

Sie dreht am Rad, kommt vorbei:

Die Änderungsschneiderei!


Dein Blick fliegt über den Zaun,

es sitzt ein Vogel darauf

und er singt: Ruckedigu!

Ein Vogel braucht keine Schuh!


Wir ham den Vogel, der singt

und dieses Lied, das erklingt,

wir dreh’n am Rad kommt vorbei:

die Änderungsschneiderei! 


Und er pfeift: Ruckedigu!

Ein Vogel braucht keine Schuh!


Wir pfeifen drauf: Kommt vorbei!

Die Änderungsschneiderei!