EINE CREW FÜR MADURER

Drei Theaterwochen auf der Station 2071

So ist es ja gewesen:
Erst war da kein Punkt, kein Punkt, kein Punkt…und dann war da ein Punkt.
Und beim Näherkommen war der Punkt ein Boot.
Im Boot war einer alleine, der wusste nicht, woher er kam und wusste nicht einmal seinen eigenen Namen.
Zum Glück gab es einen, der so lang schon da ist, dass er fast alles beim Namen nennen kann.
Der wusste: Du heißt Madurer.
Drei Wochen hat der kleine Madurer bei Euch Station gemacht.
Als er wieder aufgebrochen ist, war er nicht mehr allein. Alle waren im Boot.
Ihm waren viele Lichter aufgegangen — eine ganze Crew, die ihn (beg)leitet.
Ich fahr in die Ferne, ihr seid meine Sterne!
So konnte er denen sagen, die sich ihm gezeigt hatten und die noch bleiben müssen, während er weiterfährt.
Die Crew steht, Madurer geht!
Viel ließe sich schreiben, aber viel lässt sich nicht lesen.
Deshalb nur einundzwanzig kurze Punkte. Weil einundzwanzig die Zahl der Menschen ist, die in den drei Wochen auf Station gewohnt haben.
Ein Punkt für jede*n.
Punkt eins
ALLE waren dabei. Alle einundzwanzig haben sich selbst dazugezählt.
Punkt zwei
Manche kamen oft, manche kamen selten. Entscheidend ist: Niemand kam seltener als zwei Mal. Das heißt: Niemand ist nicht wiedergekommen.
Punkt drei
Einzelne haben den Theaterraum betreten, eine Gruppe hat ihn zum Abschied verlassen.
Punkt vier
Nicht irgendeine Gruppe, sondern eine Crew. Von der jedes Mitglied benennen konnte:
Was die eigene Aufgabe auf dem gemeinsamen Schiff ist und in welche Richtung der eigene Kompass weist.
Punkt fünf
So waren alle genannt.
Der kleinste gemeinsame Nenner war das gemeinsame Kochen und Essen.
Punkt sechs
Verbindlichkeit hat sich nicht darin gezeigt, wie oft oder lange jemand da war. Verbindlichkeit hat sich durch Verbindung und Verbundenheit gezeigt — von selbst, aus dem Wortsinn heraus.
Punkt sieben
Verantwortung hat sich durch Antworten gezeigt.
Alle waren gefragt. Keiner blieb die Antwort schuldig. Das ist Verantwortung.
Punkt acht
Wo kein Außendruck war, wurde Ausdruck möglich. Druckausgleich. Ausdruck heißt:
Punkt neun
Ausdruck der Gesichter: Verfinstertes hat sich gelichtet. Von Aufblitzen bis Leuchtfeuer.
Punkt zehn
Ausdruck von Gefühl: Liebe nämlich. Dem Kind und dem Bild gegenüber.
Einundzwanzigfach zum Ausdruck gebracht.
Punkt elf
Ausdruck als Sprache: Verstummtes kam zu Wort.
Punkt zwölf
Das wichtigste Wort war die Waage.
Stell dir eine Waage vor.
Auf der einen Waagschale ein einzelner Mensch, auf der anderen die ganze Menschheit.
Um dieses Gleichgewicht geht es hier.
Punkt dreizehn
Die Waage im Menschen sind seine Ohren. Zwei Waagschalen.
Was zu Ohren kommt, entscheidet über das Gleichgewicht.
Punkt vierzehn
Zu Ohren kam als erstes die Frage: Woher kommst du?
Madurer wusste nicht, woher er kommt. Seine Fragen waren bohrend.
Die Bohrung hat schnell gezeigt: Eigentlich weiß kein Mensch, woher er kommt.
Eigentlich weiß kein Mensch, woher irgendwas kommt.
Punkt fünfzehn
Also: Die Krusten des Gewussten sind dünn.
Punkt sechzehn
Unter diesen Krusten gerät das Gespräch auf bewegliches Gebiet.
Weil es beweglich ist, gibt es dort nichts, was nicht integrierbar ist.
Wer das täglich wachsende Bild gesehen hat, hat das gesehen:
Alles findet Platz. Alle nehmen Platz.
Punkt siebzehn
Dieses Platzfinden und Platznehmen bedeutet Verwandlung.
Unsinn wird Sinn im Zusammenhang.
Sinnzusammenhang.
Punkt achtzehn
Also: Es wurde Sinn gestiftet.
Stiften heißt: Ein eigenes Vermögen zur Verfügung stellen und die Frucht des Vermögens
mit(allen)teilen.
Punkt neunzehn
Was im Zusammenhang Sinn macht, ist wahr.
Punkt zwanzig
Wahrheit ist die Kraft, die aufrichtet. Deswegen sagt man auch: aufrichtig.
Ein aufrichtig gesprochenes Wort hat also eine Richtung: aufwärts.
Schlimm ist, wenn das Wort im Mund umgedreht wird, denn dann ist die Richtung: abwärts.
Punkt einundzwanzig
Das alles ist nicht unerheblich, sondern hat erhebliche Kräfte gezeigt. Erheblich heißt: aufrichtend.